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Kategorie: Hobbys

Der Mensch tut eine Menge, um die Umwelt kräftig einzusauen. Es ist nicht nur Plastik, das in Wald, Wiese und Meer landet, die Verschmutzung geht weiter. Einen schönen Sternenhimmel sieht man hier nicht mehr, das Licht unserer Städte wird in der Atmosphäre gestreut und der Himmel deshalb nicht mehr richtig dunkel. Ganz extrem habe ich das in Hongkong erlebt, dort war selbst um Mitternacht der Himmel so hellgrau, wie hier an einem Herbsttag mit starker Bewölkung.

Wir produzieren auch unerwünschte Funkwellen, die die Radiobänder verschmutzen. Beliebte Störquellen sind LED-Lampen, Steckernetzteile und Wechselrichter von Solaranlagen. Diese hochfrequenten Störungen überdecken schwache Signale. Wahre Meister darin sind auch unsere DSL-Anschlüsse über die  für unser Internet Hochfrequenz gequetscht wird. Dafür sind ie die Leitungen eigentlich nicht geeignet bzw. gebaut wurden. Nach rund 1 km Leitungslänge kommt vom DSL fast nichts mehr an, der Rest wurde vorher wie von einer Antenne abgestrahlt und stört den Radioempfang.

Amateurfunker versuchen aber gerade auf einigen Kurzwellenfrequenzen schwache Signale aus großer Entfernung aufzunehmen. Das scheitert deshalb immer öfter. Ein Vergleich: Wenn viele meiner Nachbarn ihr Radio mit großer Lautstärke an das Fenster stellen, höre ich im Garten keine Biene mehr summen.

Der UKW-Bereich war bisher von solchen Störungen weitgehend verschont. Deshalb erhöhte sich mein Blutdruck, als auch das UKW Amateurfunkband plötzlich so "verschmutzt" war, dass ein normaler Betrieb unmöglich war. Auf einigen Frequenzen waren massive breitbandige Störaussendungen zu beobachten, aber auch im Rest des Bandes prasselte und knisterte es gewaltig. In meine Messgerätepark war zu diesem Zeitpunkt noch kein Spektrumanalyzer, der mehr Informationen über die Art der Störungen geben  und so ein Hinweis auf die Quelle liefern könnte. Das Wasserfalldiagramm eines meiner UKW-Funkgeräte zeigte ein merkwürdiges Signal, das eigentlich nur von einem Amok laufenden Gerät stammen konnte.

Mit der drehbaren Yagi-Antenne auf dem Dach wurde die Richtung der Störung mit 53° gepeilt. Das ist nordöstlich, in dieser Richtung liegt das Dorf, an dessen Rand wir wohnen. Ein Funkgerät wurde ins Auto gepackt über ein Kabel eine mobile Antenne auf einer Holzlatte angeschlossen und die Umgebung des Wohnortes abgefahren. Das Signal wurde merkwürdigerweise schwächer, wenn man sich in die Richtung seiner Quelle bewegte. Auch alle anderen Peilungen in der Umgebung wiesen als Ursprungsort ausgerechnet unser Wohnhaus auf.

Die Ausrüstung wurde noch etwas mobiler gestaltet, dass Funkgerät per Akku versorgt und es ging zu Fuß weiter. Das Maximum der Signale lag in unserem Garten, die Quelle schien mitten auf dem Rasen zu sein! Hier mussten sich wohl Aliens eingegraben haben, die nachhause telefonierten. Um auszuschließen, dass wir die Störungen selbst produzierten, wurden Solaranlage und Wechselrichter abgeschaltet und das ganze Haus vom Netzstrom getrennt. Die Störungen blieben, es musste also von außen kommen! Genau an der Stelle machte ich den entscheidenden Denkfehler…

Die Bundesnetzagentur überwacht auch den Funkbetrieb. Es ist auch ihre Aufgabe bei Bedarf, solche Störquellen aufzufinden. So habe ich mich an die Bundesnetzagentur gewandt und tatsächlich tauchte nach nicht einmal einer Woche ein Messtrupp mit einer Neid erregenden Ausrüstung auf. Im Fahrzeug war ein edler Spektrumanlyzer von R&S, dazu verfügten das Team über ein mobilen Analyzer von der gleichen Firma an einer handlichen logarithmischen Antenne. Für den Kaufpreis dieses Gerätes erwerben andere Leute ein kleineres Auto. Das Gerät war völlig neu. Man müsse wohl noch ein bisschen damit üben, erklärten mir die beiden freundlichen Prüfingenieure.

Anfangs taten sie sich etwas schwer das Störsignal zu messen aber dann nahmen sie die Fährte auf und landeten… Im Garten auf dem Rasen an der gleichen Stelle! In der Nähe steht der Leuchtturm, der auch im Abschnitt „Projekte“ vorgestellt wird. Und in der Tat schienen die Störungen aus diesem Leuchtturm  zu kommen.  Das konnte nicht sein, die Störung war  vorher auch bei stromlosem Haus noch vorhanden. Wieder wurde das Haus komplett abgeschaltet. Als ich wieder im Garten war, verschwand das Störsignal gerade!

Das Haus wurde wieder zum elektrischen Leben erweckt und nur der Leuchtturm blieb zunächst vom Netz getrennt. Einschalten des Turms: Einige Sekunden später war das Signal wieder da. Abschalten: Etwa 30 Sekunden später war Ruhe. In diesem Moment wäre ich am liebsten im Erdboden versunken, war doch  eines meiner Geräte diese „Dreckschleuder“. Die Erklärung ist einfach: Der Leuchtturm hat ein relativ kräftiges Netzteil, dessen Kondensatoren den Steuerrechner des Leuchtturms noch eine ganze Weile versorgen können, wenn das Turmlicht aus ist. Ein Lichtsensor steuert das Turmlicht, das war tagsüber natürlich aus.

Die Prüfingenieure sahen das mit einer Portion Humor: Ein Leuchtturm, der Funkstörungen verursacht, das hatten sie noch nicht erlebt. Die Leuchtturmtechnik und der Turm im Betrieb wurden per Foto dokumentiert. Das war mal kein Schwarzsender sondern ein Rot-Weißsender. Dann durfte ich noch ein Blick in den Messewagen werfen, es ist wirklich ganz edle Technik, die dort zum Einsatz kommt. Der schon lange gehegte Gedanke, einen Spektrumanalyzer zu kaufen wurde noch am gleichen Tag in die Tat umgesetzt.

Bei der Ursachenforschung stieß ich auf die Nebenfeuer des Leuchtturms. Diese können entweder Morsetexte ausgeben oder Lichtmuster mit sich ändernder Helligkeit aussenden. Dafür sorgt wie bei vielen anderen Dingen bei uns ein kleiner Computer, genauer ein Steuergerät. Die Helligkeitsänderung erfolgen über eine Pulsweitenmodulation, die Lampen werden dabei sehr schnell mit wechselnder Dauer ein- und wieder ausgeschaltet. Unser Auge sieht dann den Mittelwert der Helligkeit. Auch wenn die Nebenfeuer nicht leuchten sollten, wurden sie dennoch für einen winzigen Bruchteil einer Sekunde etwa 400 mal pro Sekunde eingeschaltet. Das ist so nicht zu sehen. Nun gehen die Leitungen vom Steuergerät im Fuß des Turms und 50 cm zu den Leuchtdioden in der Turmspitze nach oben. Und wenn die einen Strom führen, der von einem schnellen MOS-FET ständig geschaltet wird, ist das Funksignal in 2 m Band eigentlich gar nicht mehr verwunderlich.

Wird fortgesetzt, wenn der Leuchtturm in der E-Werkstatt steht.