Da erhält Herr Abbas nun Prügel, weil er sich daneben benommen hat. Er hat das Wort Holocaust für seine Sache in Anspruch genommen. Das ist ein Unding.

Schlägt man die Bedeutung des Wortes nach, steht es heute für „vollständige Vernichtung“, früher gab es auch andere Sinninhalte.

Kurzer Themenwechsel: Besuch des „Tend Of Nations“ in Israel vor etwa zehn Jahren. Der Name stand für eine kleine Siedlung in einem größeren Olivenhain. Er war im Besitz eines Palästinensers, der dort leben und arbeiten wollte. Das musste er auch, andernfalls wäre sein Land an den Staat gefallen. Dem israelischen Staat war sein Handeln ein Dorn im Auge. Man sperrte die Versorgung mit, Strom und Wasser und schüttete mehrere Lastwagenladungen Steine und Schutt auf die Zufahrtswege verbunden mit dem Verbot, die wieder zu entfernen. Der Besitzer verstand es öffentlichkeitswirksam auch im Ausland auf diese Zustände hinzuweisen. Die Folge waren Einschüchterung und Haft und schließlich brannte irgendwann das gesamte Gelände. Heute ist das „Tend Of Nations“ Geschichte.

Der israelische baut man Straßen und Siedlungen dort, wo es passt, auch im Palästinensergebiet. Siedeln dort Palästinenser, erklärt man ihnen kurz aber deutlich, dass sie einige Tage haben, um zu verschwinden. Dann kommen Bulldozer und schaffen Fakten. Der zu den neuen Straßen wird Palästinensern verboten, häufig sind ihre Gebiete für sie dann nicht mehr erreichbar. Es gibt „Aussichtspunkte“, da kann man das Ergebnis dieser Siedlungspolitik selbst ansehen.

Wenn man vom israelisch besiedelten Teil in Palästinensergebiete reist, dazu gehört zum Beispiel Bethlehem, trifft man auf eine Mauer, die an die ehemalige innerdeutsche Grenze erinnert. Dies genauso gesichert, allerdings höher. Auch hier gibt es Übergangspunkte, über die die Palästinenser diese Grenze überqueren können. Oft bleibt das Theorie, die Schikanen die dort ausgeübt werden sind wesentlich perfider als das, was man an der Grenze zur DDR erleben konnte.

Halten wir fest: auch und 75 Jahre nach der Gründung des israelischen Staates will man dort keine Form eines friedlichen Zusammenlebens von zwei Völkern in einem Land. Stattdessen muss man zu dem Eindruck kommen, dass hier alles geduldet wird, was Palästinenser schikaniert und geeignet ist, sie vertreiben. Beim Blick auf Wikipedia erfährt man: 

„Das Pogrom wird soziologisch definiert als einseitige und höchstens gering organisierte, nicht-staatliche, von der Mehrheitsbevölkerung ausgehende Form extralegaler Gewalt, die sich gegen eine weitgehend wehrlose ethnische Gruppe richtet, wenn die Mehrheit keine Abhilfe des Staates gegen eine empfundene Normverletzung durch die Minderheit erwartet.“

Nun kann jeder selbst entscheiden, ob die Situation mit Holocaust und Pogrom beschrieben werden kann. Hier geht Gewalt schließlich von Organen eines Staats aus. Man fühlt sich im Recht und betrachtet das Land als historisch gerechtfertigten Besitz. Der empörte Aufschrei über die Äußerungen von Herrn Abbas ist doch wohl ein Indiz dafür, dass er Dinge angesprochen hat, die unbequem sind und die man offiziell nicht gerne sieht.

Es enttäuscht mich sehr, wenn ein Volk, das selbst schon wiederholt das Ziel von Vernichtung und Ausrottung war, offensichtlich nicht gelernt hat, diese Erfahrungen als Grundlage für den Umgang mit anderen Menschen zu machen.